In meinem letzten Blogbeitrag habe ich mich mit dem Begriff Beautyspan beschäftigt: mit der Zeit, in der wir uns in unserem Körper und mit unserem Aussehen wohlfühlen.
Doch was es bedeutet, sich mit sich selbst wohlzufühlen, ist von Mensch zu Mensch verschieden.
Der aktuelle Bericht Feelgood Revolution des Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI) bietet einen interessanten Blick auf diese Unterschiede. Auf Basis einer repräsentativen Befragung von mehr als 3’000 Personen in Deutschland, Österreich und der Deutschschweiz haben die Forschenden vier Gruppen identifiziert, die sich in ihrer Haltung zu Gesundheit, Aussehen und Wohlbefinden unterscheiden.
Das GDI nennt sie Strugglers, Achievers, Balancers und Agnostics.
Was ich daran besonders wertvoll finde: Die Studie wirft eine Frage auf, die ich mir in meiner Praxis immer wieder stelle:
Was möchte diese Person wirklich – und warum?
Vier verschiedene Wege, sich wohlzufühlen
Das GDI hat die Menschen nicht einfach nach Alter, Geschlecht oder Lebensstil eingeteilt. Entscheidend waren vielmehr ihre Einstellungen und Motive: Wie wichtig sind ihnen Gesundheit und Aussehen? Wie viel Einfluss haben sie ihrer Meinung nach darauf? Wie sehr akzeptieren sie sich selbst? Und wie stark vergleichen sie sich mit anderen?
Das Ergebnis sind vier sehr unterschiedliche Arten, mit dem eigenen Körper umzugehen.
Die Strugglers: «Ich bin nie ganz gut genug»
Die Strugglers: «Ich bin nie ganz gut genug»
Die Strugglers beschäftigen sich besonders stark mit ihrem Aussehen und ihrer Gesundheit, haben aber das Gefühl, nur wenig Einfluss darauf zu haben. Häufig geht es ihnen weniger darum, wie sie sich selbst fühlen, sondern vielmehr darum, wie sie von anderen wahrgenommen werden. Sie suchen Bestätigung von aussen und vergleichen sich mit anderen – oft zu ihrem eigenen Nachteil.
29% der Befragten gehören zu dieser Gruppe. Damit sind die Strugglers die grösste der vier Gruppen.
Das GDI beschreibt sie als Menschen, die viel Energie in ihre Selbstoptimierung investieren und sich gleichzeitig am wenigsten wohl mit ihrem eigenen Aussehen fühlen.
Hier wird ein Unterschied wichtig: zwischen dem Wunsch nach einer Behandlung und dem, was jemand sich davon erhofft.
Zwei Menschen können mit genau demselben Wunsch in meine Praxis kommen. Die Gründe dafür können jedoch völlig unterschiedlich sein.
Die eine Person möchte vielleicht einfach ein Merkmal, das sie zunehmend stört, etwas weniger auffällig machen. Eine andere hofft vielleicht, dass eine Veränderung ihres Aussehens ihr endlich das Gefühl gibt, gut genug zu sein.
Das sind zwei sehr unterschiedliche Situationen.
Für mich gehört es deshalb zu den wesentlichen Aufgaben der ästhetischen Medizin, diesen Unterschied zu verstehen.
Die Achievers: «Ich möchte selbst etwas bewirken»
Die Achievers: «Ich möchte selbst etwas bewirken»
Die Achievers gehen sehr aktiv mit ihrer Gesundheit und ihrem Aussehen um. Sie sind überzeugt, dass Disziplin, Routinen und gezielte Investitionen ihnen helfen können, beides zu verbessern. Sie setzen sich Ziele und fühlen sich gut, wenn sie diese erreichen. Anders als die Strugglers können sie den Vergleich mit anderen als Motivation nutzen, statt sich dadurch unter Druck gesetzt zu fühlen.
26% der Befragten gehören zu dieser Gruppe.
Ich sehe nichts Falsches darin, etwas an sich verändern zu wollen.
Auf die eigene Gesundheit zu achten, Sport zu treiben, die Haut zu pflegen oder eine ästhetische Behandlung in Betracht zu ziehen, können alles sinnvolle Entscheidungen sein.
Der entscheidende Unterschied liegt für mich darin, ob man für sich selbst etwas tut – oder das Gefühl hat, sich ständig verbessern zu müssen.
Wenn bereits der Weg dorthin Freude macht, ist das etwas ganz anderes, als zu glauben, erst dann glücklich sein zu können, wenn man eine vermeintlich perfekte Version seiner selbst erreicht hat.
Die Balancers: «Ich kümmere mich um mich – aber mein Aussehen soll nicht mein Leben bestimmen»
Die Balancers: «Ich kümmere mich um mich – aber mein Aussehen soll nicht mein Leben bestimmen»
Die Balancers haben ein starkes Selbstbewusstsein und vergleichen sich weniger mit anderen. Gesundheit und Aussehen sind ihnen wichtig, vor allem weil sie sich damit selbst besser fühlen – und nicht, weil sie den Erwartungen anderer entsprechen möchten.
28% der Befragten gehören zu dieser Gruppe.
Das GDI beschreibt ihren Umgang mit Gesundheit und Aussehen als intrinsisch motiviert: Sie kümmern sich um sich selbst, weil es sich für sie richtig anfühlt. Gleichzeitig akzeptieren sie die natürlichen Veränderungen, die mit dem Alter kommen, und sind mit ihrem Aussehen vergleichsweise zufrieden.
Diese Gruppe zeigt für mich besonders deutlich, was mir auch in meiner eigenen Arbeit wichtig ist:
Sich um sein Aussehen zu kümmern und sich selbst zu akzeptieren, sind keine Gegensätze.
Man kann Freude an Hautpflege haben. Man kann Sport treiben. Man kann sich für eine ästhetische Behandlung entscheiden. Und man kann sich trotzdem mit sich selbst wohlfühlen.
Für mich ist das ein gesunder Umgang mit ästhetischer Medizin: Sie ist etwas, für das man sich entscheiden kann – und nichts, das man tun muss.
Die Agnostics: «Mein Körper soll einfach funktionieren»
Die Agnostics: «Mein Körper soll einfach funktionieren»
Für die Agnostics spielen Aussehen und Gesundheit eine deutlich geringere Rolle. Das GDI beschreibt ihren Umgang mit dem eigenen Körper als weitgehend funktional: Wenn alles funktioniert und sie keine Schmerzen haben, sind sie zufrieden. Für Beauty-Routinen, Fitness-Trends oder bestimmte Schönheitsideale interessieren sie sich kaum.
18% der Befragten gehören zu dieser Gruppe. Damit sind die Agnostics die kleinste der vier Gruppen.
Interessanterweise zeigt der Bericht auch, dass die Agnostics nicht unbedingt zufriedener mit ihrem Leben sind. Ihr geringes Interesse an Gesundheit und Aussehen geht mit einer niedrigeren allgemeinen Lebenszufriedenheit einher.
Diese Gruppe erinnert uns daran, dass es auch völlig legitim ist, sich nicht besonders für sein Aussehen zu interessieren.
Nicht jeder möchte Hautpflege betreiben, Fitnessroutinen verfolgen oder ästhetische Behandlungen in Anspruch nehmen.
Ästhetische Medizin sollte niemals Menschen davon überzeugen wollen, dass sie etwas an sich verändern müssen.
Was möchte die Patientin oder der Patient wirklich?
Natürlich passen nicht alle Menschen perfekt in eine dieser vier Kategorien. Auch das GDI versteht die vier Gruppen als Typologie, die auf unterschiedlichen Einstellungen und Motiven basiert.
Trotzdem bieten sie eine hilfreiche Perspektive auf etwas, das in meiner Praxis eine grosse Rolle spielt.
ästhetische Beratung beginnt oft mit einer einfachen Aussage:
«Das gefällt mir nicht.»
Doch hinter diesen vier Worten können ganz unterschiedliche Beweggründe stehen.
Jemand möchte vielleicht weniger müde aussehen. Jemand anderes möchte endlich eine Veränderung vornehmen, die seit Jahren beschäftigt.
Und manchmal ist die beste Entscheidung, keine Behandlung durchführen zu lassen.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob sich jemand für Botox, Hautpflege, eine Operation – oder für gar nichts davon entscheidet.
Entscheidend ist, ob es wirklich die eigene Entscheidung ist.
Was stört die Person? Warum stört es sie? Was soll sich dadurch verändern? Und kann eine Behandlung dieses Ziel überhaupt realistisch erreichen?
Diese Fragen stehen für mich im Zentrum einer guten Beratung.
Es gibt nicht den einen Weg, gut zu altern
Der GDI-Bericht zeigt, dass Menschen sehr unterschiedliche Beziehungen zu ihrer Gesundheit, ihrem Wohlbefinden und ihrem Aussehen haben.
Manche Menschen optimieren sich gerne und ganz bewusst. Andere kümmern sich um sich selbst, ohne ihr Aussehen zum Mittelpunkt ihres Lebens zu machen. Manche sind besonders sensibel dafür, wie sie von anderen wahrgenommen werden. Und manche möchten vor allem, dass ihr Körper funktioniert.
Keiner dieser Wege ist richtig oder falsch.
Für mich ist das die zentrale Erkenntnis meiner dreiteiligen Serie zum GDI-Bericht: Es gibt nicht den einen Weg, sich selbst zu sehen, sich wohlzufühlen oder gut zu altern.
Zuerst haben wir uns mit einem veränderten Umgang mit ästhetischer Medizin – auch bei Schweizer Männern beschäftigt.
Danach ging es um die Idee des Beautyspan und die zunehmende Verbindung zwischen Gesundheit, Wohlbefinden und Aussehen.
Und schliesslich haben wir den Blick auf den einzelnen Menschen gerichtet.
Denn es gibt nur die Frage, was sich für Sie richtig anfühlt.
Und genau dort sollte für mich jede gute ästhetische Beratung beginnen.
Dr. med. Borut Banič
Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie (FMH)
#FMHandwerker
Fellow of The European Board of Plastic, Reconstructive and Aesthetic Surgery (FEBOPRAS)
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