Brustoperationen sind ein weltweites Phänomen – aber wie häufig sie durchgeführt werden und welche Eingriffe bevorzugt werden, variiert stark von Land zu Land. Im fünften Teil unserer Brust-OP-Serie werfen wir einen Blick darauf, wie die Schweiz im internationalen Vergleich dasteht. Von Operationsarten über kulturelle Einstellungen bis hin zum Einfluss des Medizintourismus zeigen wir, wo die Schweiz ihren eigenen Weg geht – und wo sie globalen Mustern folgt.
Das weltweite Bild: Brustoperationen bleiben beliebt, aber die Trends verändern sich
Brustoperationen gehören weltweit weiterhin zu den häufigsten ästhetisch-plastischen Eingriffen – aber sie stehen nicht mehr an der Spitze. Laut den aktuellen Zahlen 2024 der International Society of Aesthetic Plastic Surgery (ISAPS) ist die Lidstraffung inzwischen die weltweit am häufigsten durchgeführte Schönheitsoperation (über 2,1 Millionen Eingriffe), gefolgt von Fettabsaugung (2,08 Millionen) und Brustvergrösserung (1,66 Millionen).
Noch vor wenigen Jahren stand die Brustvergrösserung ganz oben auf der weltweiten Liste. Doch die Zahlen sind rückläufig: Die 1,66 Millionen Brustvergrösserungen im Jahr 2024 bedeuten einen Rückgang von 17,5% im Vergleich zum Vorjahr. Das deutet auf ein breiteres Interesse an anderen Eingriffen hin – und vielleicht auf ein Umdenken in Bezug auf Implantate und Körperbild.
Wie sieht es mit Brustverkleinerungen und -straffungen aus? Auch diese Eingriffe werden weltweit durchgeführt, wenn auch in deutlich geringerer Zahl als Vergrösserungen. Wie wir in Teil 4 beschrieben haben, sind viele Verkleinerungen medizinisch motiviert. Eine Straffung wiederum wird oft mit einer Vergrösserung oder Verkleinerung kombiniert – etwa um die Form harmonischer zu gestalten. Laut ISAPS gingen Bruststraffungen 2024 um 19,9% und Verkleinerungen um 10,4% zurück. Dennoch bleibt das Interesse an Form- und Grössenkorrekturen hoch: Insgesamt wurden 2024 weltweit 3,78 Millionen brustbezogene Eingriffe durchgeführt – ein Rückgang von 14,1% gegenüber dem Vorjahr.
Die Länder mit den meisten ästhetischen Brustoperationen bleiben die USA und Brasilien – wenig überraschend angesichts ihrer Bevölkerungsgrösse und etablierten Schönheitschirurgie-Branche. 2024 verzeichnete Brasilien 232’593 Brustvergrösserungen, die USA 227’470. Auch Länder wie Deutschland, Mexiko und Italien gehören zu den Spitzenreitern. Häufig spiegeln diese Zahlen entweder die Grösse der Bevölkerung oder die gesellschaftliche Akzeptanz von Schönheitsoperationen wider – pro Kopf liegen vor allem Brasilien und einige lateinamerikanische Länder weltweit sehr weit vorn.
Trends bei Brust-OPs in der Schweiz: Diskretion und natürliche Ästhetik
Und die Schweiz? In absoluten Zahlen gehört sie natürlich nicht zu den Top-Ländern – bei einer Bevölkerung von rund neun Millionen. Auch kulturell sind wir zurückhaltender als etwa Brasilien oder die USA, was Schönheitschirurgie angeht. Dennoch ist das Thema in der Schweiz präsent – und gewinnt auf eine ganz eigene, schweizerische Art an Bedeutung.
Schweizerinnen bevorzugen bei der Brustvergrösserung ein natürliches Ergebnis – nicht «zu gross» und nicht «gemacht»
Schweizerinnen bevorzugen bei der Brustvergrösserung ein natürliches Ergebnis – nicht «zu gross» und nicht «gemacht»
Was Brustoperationen hierzulande auszeichnet, lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: Diskretion. Schweizer Patientinnen bevorzugen Ergebnisse, die dezent, harmonisch und auf ihren Körper abgestimmt sind. Bei der Brustvergrösserung geht es beispielsweise nicht um auffällige, überdimensionierte Implantate, sondern um eine natürliche Form, die zur eigenen Figur passt. Auch in der Schweiz zählt dieser Eingriff zu den häufigsten ästhetischen Operationen. Dabei liegt der Fokus auf Zurückhaltung: Aktuelle Verfahren setzen auf Silikonimplantate mit natürlichem Profil und eher kleinerem Volumen – angepasst an den hiesigen Wunsch nach unaufdringlicher Schönheit. Das Idealbild? Eine wohlgeformte Silhouette, bei der man die Operation nicht auf den ersten Blick erkennt.
Diese Haltung passt zur allgemeinen Schweizer Mentalität: Qualität steht über Showeffekt – auch in der Schönheitschirurgie. Viele meiner Patientinnen möchten ihre Kleidung besser ausfüllen oder das Volumen nach dem Stillen zurückgewinnen. Gleichzeitig betonen sie: «Ich will auf keinen Fall zu gross wirken» oder «es darf nicht künstlich aussehen». Sie bringen oft Beispielbilder mit, die ein realistisches, ausgewogenes Ergebnis zeigen – weit entfernt von den überzeichneten Figuren auf Social Media.
Bemerkenswert ist auch der Altersbereich. Weltweit lag der Anteil der 18- bis 34-Jährigen an allen Brustvergrösserungen 2024 bei 54%, weitere 37,4% entfielen auf Frauen zwischen 35 und 50 Jahren. In der Schweiz zeigt sich ein ähnliches Altersmuster – mit einer auffälligen Gruppe von Frauen in ihren Vierzigern, die sich nach abgeschlossener Familienplanung für eine Brustvergrösserung oder -straffung entscheiden (das sogenannte «Mommy Makeover»). Viele dieser Frauen hätten in ihren Zwanzigern nie an eine Operation gedacht – wünschen sich jetzt aber eine sanfte Auffrischung ihres Körpers nach Schwangerschaft und Stillzeit.
Auch Brustverkleinerungen und -straffungen sind hierzulande gängige Eingriffe – besonders bei Frauen ab Mitte 30. Wenn chronische Beschwerden wie Rückenschmerzen oder Hautreizungen vorliegen, übernimmt die Grundversicherung häufig einen Teil der Kosten. Ziel ist dann nicht primär ein schöneres Dekolleté, sondern eine körperliche Entlastung. Die Bruststraffung (Mastopexie) – oft kombiniert mit einem kleinen Implantat oder auch ohne – ist bei Frauen beliebt, die nicht grösser, sondern einfach wieder «straffer» wirken möchten. Wieder zeigt sich: In der Schweiz geht es meist nicht um möglichst viel Volumen, sondern um Form, Proportion und Funktion.
Medizintourismus bei Schönheitsoperationen: Wenn Schweizer Patientinnen ins Ausland reisen
Ein besonderes Phänomen betrifft die Schweiz nicht direkt – sondern indirekt: die ästhetisch motivierte Auslandsoperation. In einem Land mit hohen Lebenshaltungskosten sind auch medizinische Leistungen entsprechend teuer. Zwar gibt es in der Schweiz zahlreiche international anerkannte plastische Chirurginnen und Chirurgen (ich zähle meine Praxis bescheiden dazu) – doch nicht jede Patientin kann oder möchte sich einen Eingriff hier leisten. So reisen einige für eine Brustoperation ins Ausland – etwa in die Türkei, nach Osteuropa (z. B. Tschechien), Brasilien oder Thailand.
Das kann gutgehen – muss aber nicht. Zwar sind Pauschalangebote mit niedrigen Preisen verlockend. Doch die Qualität ist unterschiedlich – und die Nachsorge problematisch, wenn der Eingriff tausende Kilometer entfernt stattfand. Schweizer Medien berichteten zuletzt, dass Komplikationen nach Operationen im Ausland zunehmend Spitäler hierzulande belasten. Das Universitätsspital Zürich etwa meldete, dass die Mehrheit der Patientinnen mit Komplikationen ihre Eingriffe im Ausland hatte – besonders häufig in der Türkei (16%), gefolgt von Tschechien, Brasilien und Deutschland. Auch wenn viele mit einer Operation im Ausland gute Erfahrungen machen, kehrt ein nicht zu unterschätzender Teil mit Problemen zurück – etwa Infektionen, Wundheilungsstörungen oder unzufriedenstellenden Ergebnissen, die eine Korrektur erforderlich machen.
Missglückte Brust-OP im Ausland? Viele suchen Hilfe bei erfahrenen Fachärzten in der Schweiz
Missglückte Brust-OP im Ausland? Viele suchen Hilfe bei erfahrenen Fachärzten in der Schweiz
Aus meiner Sicht ist das eine bedenkliche Entwicklung. Es ist völlig nachvollziehbar, dass sich manche Patientinnen wegen der hohen Kosten für eine Operation im Ausland entscheiden – der Preis ist ein echtes Hindernis, wie bereits erwähnt. Ich rate jedoch immer dazu, das Gesamtrisiko und den Aufwand sorgfältig abzuwägen. Natürlich wird man in der Schweiz medizinisch versorgt, wenn Komplikationen auftreten – aber die nachträgliche Korrektur kann unter Umständen teurer werden, als wenn man es von Anfang an richtig gemacht hätte.
Wir beobachten zudem, dass sich die Art der Komplikationen verändert hat: Es geht heute seltener um akute Notfälle, sondern häufiger um langfristige Unzufriedenheit – etwa ein unharmonisches Ergebnis oder eine Kapselfibrose. Das passt zu der Beobachtung, dass im Ausland zwar oft eine akzeptable Akutversorgung erfolgt, die Planung oder Technik aber nicht immer optimal sind – was später zu Problemen führt.
In solchen Fällen wenden sich viele an erfahrene, zertifizierte plastische Chirurgen in der Schweiz, um das Ergebnis zu retten oder zu verbessern. Ich selbst sehe in meiner Praxis regelmässig Patientinnen, die nach einem unbefriedigenden Eingriff im Ausland eine Korrektur benötigen – und nehme diese Verantwortung ernst. Ziel ist es, nicht nur das ästhetische Ergebnis zu verbessern, sondern auch Vertrauen zurückzugeben.
Brustoperationen: Wie die Schweiz im Zahlenvergleich dasteht
Wie viele Brustoperationen in der Schweiz tatsächlich durchgeführt werden, ist schwer zu sagen – denn private Kliniken sind nicht verpflichtet, ihre Zahlen zu melden. Dennoch lassen sich grobe Schätzungen auf Basis internationaler Umfragen treffen. Die Schweiz dürfte einige tausend Brustvergrösserungen pro Jahr verzeichnen. Pro Kopf sind das weniger als in den USA oder Brasilien – aber vergleichbar mit Ländern wie Deutschland oder Österreich. Zu berücksichtigen ist auch: Eingriffe an Schweizerinnen fliessen in die Statistik anderer Länder ein (wenn sie im Ausland durchgeführt wurden). Umgekehrt reisen auch Patientinnen aus dem Ausland in die Schweiz – allerdings eher für spezialisierte oder hochwertige Behandlungen als für günstige Pauschalangebote.
Auch Schweizer Männer entdecken zunehmend die ästhetische Medizin. Natürlich ist die Brustchirurgie ein klar weiblich geprägter Bereich – doch verwandte Trends zeigen sich: beispielsweise wünschen sich mehr Männer eine Korrektur der Männerbrust (Gynäkomastie) oder eine männlichere Brustform. Das Universitätsspital Zürich meldete auch hier eine Zunahme von Komplikationen bei Männern nach ästhetischen Eingriffen – verbunden mit wachsendem äusserem Druck aufs männliche Erscheinungsbild. Laut ISAPS lag der Männeranteil 2024 weltweit bei 16,1% aller Schönheitsoperationen – die Schweiz dürfte ähnlich abschneiden. Bei Männern dominieren Eingriffe wie Lidkorrekturen, Fettabsaugungen, Nasenoperationen oder Narbenkorrekturen – aber auch sie sind längst Teil der sich wandelnden Schönheitslandschaft.
Schweiz im Vergleich: eine Momentaufnahme
Die Trends lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Beliebtheit: Brustvergrösserungen sind auch in der Schweiz gefragt – aber die absoluten Zahlen sind kleiner als in grossen Ländern. Vergrösserung und Straffung gehören zu den häufigsten Eingriffen in Schweizer Kliniken.
- Stil und Ästhetik: Schweizer Ergebnisse sind meist dezent und natürlich. Riesige Implantate oder auffällige «neue Figuren» sind hier selten. Motto: «Ich bin immer noch ich – nur stimmiger.»
- Medizinisch vs. kosmetisch: Durch die Kostenübernahme bei medizinischen Indikationen gibt es in der Schweiz einen relativ hohen Anteil an funktionellen oder rekonstruktiven Eingriffen – das unterscheidet uns von Ländern mit rein kosmetischem Fokus.
- Akzeptanz: Wie in vielen Ländern hat sich auch in der Schweiz die Akzeptanz für Schönheitsoperationen über die Jahre gesteigert – allerdings langsamer und zurückhaltender. Es gab keinen lauten Boom, sondern eine stille Entwicklung. Jüngere Generationen sind offener als ältere.
- Internationale Einflüsse: Schweizerinnen sind zwar von globalen Schönheitsidealen geprägt – aber behalten oft ihre eigene, moderate Haltung. Hinzu kommt der hohe Anteil an Expats: Frauen aus Südamerika oder Osteuropa bringen mitunter andere Vorstellungen mit – sie wünschen sich manchmal deutlichere Veränderungen als gebürtige Schweizerinnen.
Fazit: Brustoperationen sind längst ein fester Bestandteil der ästhetischen Medizin in der Schweiz. Sie werden mit einem typisch schweizerischen Anspruch an Qualität, Zurückhaltung und Natürlichkeit durchgeführt. Auch bei uns entscheiden sich viele Frauen (und vereinzelt auch Männer) für eine körperliche Veränderung – allerdings stets mit Blick auf Proportion, Ausgewogenheit und ein harmonisches Gesamtbild. Gleichzeitig zeigt sich: Der Kostenunterschied führt immer wieder dazu, dass Patientinnen für Eingriffe ins Ausland reisen – ein Trend mit eigenen Risiken und Folgen.
Mit diesem Vergleich im Hinterkopf kommen wir nun zu einer entscheidenden Frage – besonders für alle, die über einen solchen Eingriff nachdenken: Bereuen Frauen ihre Brustoperation im Nachhinein? In Teil 6 werfen wir einen Blick auf die Zufriedenheit von Patientinnen nach einer Brust-OP. Wie glücklich sind sie mit ihrer Entscheidung? Wie viele bereuen sie? Und was können wir daraus lernen, um Frauen bei ihrer Entscheidungsfindung besser zu begleiten?
Dr. med. Borut Banič
Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie (FMH)
#FMHandwerker
Fellow of The European Board of Plastic, Reconstructive and Aesthetic Surgery (FEBOPRAS)
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