Es ist Valentinstag. In meiner Praxis in Bern sitzt ein junger Mann mit seiner etwas jüngeren Freundin. Er redet. Sie schweigt. Ich höre zu. Dabei wandert mein Blick immer wieder von ihm zu ihr.

Es geht um eine Brustvergrösserung und dabei wird schnell klar, von wem der Wunsch nach einer Brustvergrösserung ursprünglich ausging: von ihm. «Ich möchte meiner Freundin eine Brustvergrösserung schenken», sagt er, schaut sie dabei liebevoll an und drückt ihr fest die Hand. Sie antwortet mit einem scheuen Lächeln und schaut danach etwas verlegen nach unten.

«Ich möchte meiner Freundin eine Brustvergrösserung schenken»

«Ich möchte meiner Freundin eine Brustvergrösserung schenken»

Ist das ok? Ist es ok, seiner Liebsten einen plastisch-chirurgischen Eingriff – eine Schönheitsoperation – zu schenken?

Die geschilderte Szene hat sich tatsächlich ereignet, nur nicht an einem Valentinstag. In zwölf Jahren Praxistätigkeit hatte ich schon viele ähnliche Konsultationen, wo mir ein Paar gegenüber sass und er im Schnitt mehr sprach als sie – obwohl es um sie ging, um ihren Körper, ihr Wohlbefinden, ihren Gemütszustand und letztendlich ihre Wünsche.

Wenn das passiert, läuten bei mir erst mal die Alarmglocken und ich höre und schaue ganz genau hin. Egal ob Brustvergrösserung oder nicht-invasive Faltenbehandlung, ich muss absolut davon überzeugt sein, dass die Frau den Eingriff von sich aus will und nicht nur einem Wunsch (oder einer Fantasie) ihres Partners nachkommt.

Wirklich aussagekräftig und entscheidend ist in solchen Situationen nur, was die Frau sagt – verbal und vor allem nicht-verbal. Wenn ich meine Zweifel während der Erstkonsultation nicht vollständig ausräumen kann, versuche ich ein zweites Gespräch allein mit der Frau zu arrangieren.

Wirklich aussagekräftig und entscheidend ist in solchen Situationen nur, was die Frau sagt – verbal und vor allem nicht-verbal.

Wirklich aussagekräftig und entscheidend ist in solchen Situationen nur, was die Frau sagt – verbal und vor allem nicht-verbal.

Es kann sich herausstellen, dass die Frau durchaus eine Brustvergrösserung möchte, sie aber etwas andere Vorstellungen über die künftige Form und Grösse der Brüste hat als ihr Partner. Männer mögen es bekanntlich etwas grösser und aufgesetzter. Dem (meist männlichen) Wunsch nach übergrossen Brüsten, die nicht der Körperform entsprechen, komme ich jedoch nicht nach. Dasselbe gilt übrigens, wenn eine Frau einen solchen Wunsch äussert.

Zurück zu meiner Frage: Ist eine Brustvergrösserung als Valentinstagsgeschenk ok? Meine Antwort: Es kommt darauf an.

Ja, es ist ok, wenn mich die Frau überzeugen kann, dass sie selbst die Brustvergrösserung (oder einen anderen ästhetischen Eingriff) wirklich möchte. Und wie bei jedem anderen Eingriff muss ich diesen aus medizinischer und ästhetischer Sicht voll verantworten können.

Und ja, es ist ok, wenn der Mann dann auch wirklich mit seinem Geld zahlt – egal ob es ein Geschenk zum Valentinstag, Geburtstag oder zu einem beliebig anderen Tag im Jahr ist. Diesen letzten Punkt kann ich zwar nicht wirklich überprüfen, aber auch hier spricht die Körpersprache der Frau Bände.

Wir alle mögen Geschenke. Vor allem wenn sie uns Freude bereiten und von Herzen kommen.

Ich wünsche allen Frauen einen wunderschönen Valentinstag – und viele rote Rosen.

Dr. med. Borut Banič

Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie (FMH)
#FMHandwerker

Fellow of The European Board of Plastic, Reconstructive and Aesthetic Surgery (FEBOPRAS)

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