In diesem zweiten Teil unserer siebenteiligen Serie zum Thema Brustoperationen werden wir sehen, dass viele Frauen weltweit und in der Schweiz ernsthaft über einen Eingriff nachdenken, von der Vergrösserung bis zur Verkleinerung. Aber trotz weitverbreiteter Unzufriedenheit mit der eigenen Brust entscheiden sich verhältnismässig wenige Frauen für eine Operation. Wir beginnen zu ergründen, warum viele Frauen zögern, den nächsten Schritt zu tun.

Wenn Brustoperationen nur eine Idee bleiben

In unserem vorherigen Beitrag haben wir gesehen, dass sehr viele Frauen weltweit – und auch in der Schweiz – mit ihrer Brust unzufrieden sind. Kein Wunder also, dass bei vielen der Gedanke an eine ästhetische Brustoperation – etwa einer Vergrösserung, Straffung oder Verkleinerung – aufkommt. Befragungen zeigen, dass zahlreiche Frauen im Laufe ihres Lebens darüber nachdenken. In Ländern wie den USA oder Grossbritannien zeigen Umfragen regelmässig, dass ein beachtlicher Teil der Frauen sich einen solchen Eingriff unter bestimmten Umständen vorstellen kann. Das zeigt: Über eine Operation nachzudenken, ist längst nichts Ungewöhnliches mehr. Auch in der Schweiz lassen Gespräche in der Praxis oder im privaten Rahmen darauf schliessen, dass viele Frauen mit dem Gedanken spielen. Die Neugier ist da; die Absicht ist da.

Doch am Ende lässt sich nur ein Bruchteil jener, die über eine Operation nachdenken, tatsächlich die Brust operieren. In den USA wurden 2022 laut der American Society of Plastic Surgeons beispielsweise knapp 300’000 Brustvergrösserungen durchgeführt. Weltweit zählen Brustoperationen laut ISAPS zwar nach wie vor zu den häufigsten plastischen Eingriffen – nimmt man Vergrösserungen, Verkleinerungen und Straffungen zusammen, sind es mehrere Millionen jährlich. Doch gemessen an den weltweit hunderten Millionen Frauen, die mit ihrer Brust unzufrieden sind, bleibt der Anteil derer, die sich wirklich für eine Operation entscheiden, vergleichsweise gering. Obwohl Brustoperationen heute breiter akzeptiert und leichter zugänglich sind, machen die meisten Frauen diesen Schritt letztlich nicht.

Warum diese Lücke?

Dass zwischen Überlegung und Umsetzung eine Diskrepanz herrscht, ist in vielen Bereichen des Lebens so – aber bei ästhetischen Eingriffen fällt sie besonders auf. Warum also erwägen so viele Frauen eine Brustoperation, setzen sie aber nicht um? Eine einfache Antwort gibt es nicht. Meist ist es eine Mischung aus praktischen, emotionalen und sozialen Gründen, die die Zahlen ausdünnen. Man kann sich das wie einen Trichter vorstellen: Ganz oben stehen all jene Frauen, die mit ihrer Brust unzufrieden sind. Ein kleinerer Teil gelangt in die Mitte und beschäftigt sich ernsthaft mit dem Gedanken an eine Operation. Und nur ein Bruchteil kommt schliesslich unten als tatsächliche Patientin heraus. Auf jeder Stufe steigen manche Frauen aus – aus ganz unterschiedlichen und nachvollziehbaren Gründen.

Frauen entscheiden sich aus praktischen, emotionalen und sozialen Gründen gegen eine Brustoperation – aber nicht zwingend für immer

Frauen entscheiden sich aus praktischen, emotionalen und sozialen Gründen gegen eine Brustoperation – aber nicht zwingend für immer

Was Frauen von einer Brustoperation abhält

Sowohl innere als auch äussere Hürden spielen eine Rolle. Die Kosten spielen eine wichtige Rolle. In der Schweiz werden ästhetische Eingriffe in der Regel nicht von der Grundversicherung übernommen – ausser es liegt eine medizinische Notwendigkeit vor. Auch Ängste halten viele Frauen zurück: vor Risiken, Komplikationen oder einem Resultat, das nicht den Erwartungen entspricht. Hinzu kommt das soziale Umfeld: Einige Frauen sorgen sich, was andere denken könnten – etwa, ob sie für «gemachte Brüste» verurteilt werden oder ob es als eitel gilt, sich überhaupt für eine Operation zu interessieren. Manchmal sind es aber auch persönliche Werte, die dazu führen, dass Frauen vom Eingriff Abstand nehmen – etwa der Wunsch, sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist, oder das Ideal, möglichst «natürlich» zu bleiben. All diese Aspekte führen dazu, dass viele Gedanken eben Gedanken bleiben.

Für manche braucht es Zeit

Dabei ist das Nachdenken über eine Operation keineswegs umsonst. Im Gegenteil: Es kann ein wichtiger persönlicher Prozess sein – selbst wenn am Ende keine Operation steht. Denn wer darüber nachdenkt, die Brust zu verändern, fragt sich oft auch: Was verspreche ich mir davon? Mehr Selbstvertrauen? Mehr Wohlbefinden? Oder ein besseres Körpergefühl? Nicht wenige Frauen stellen durch die Auseinandersetzung fest: «Vielleicht brauche ich gar keine Operation, um mich wieder wohlzufühlen.» In solchen Fällen ist das Nachdenken selbst ein Anstoss für inneres Wachstum oder eine neue Perspektive.

Andere Frauen beschäftigen sich jahrelang mit dem Thema – manchmal phasenweise, je nach Lebenslage (nach einer Schwangerschaft zum Beispiel oder vor einem runden Geburtstag). Und manche entscheiden sich erst nach vielen Jahren, den Schritt doch zu tun. Ich habe in meiner Praxis Frauen, die mit Mitte zwanzig zum ersten Mal in die Sprechstunde kommen – und erst mit Mitte dreissig nach Kindern den Zeitpunkt als richtig sehen. Die Diskrepanz zwischen Überlegung und Umsetzung ist somit nicht zwingend ein dauerhaftes Nein – manchmal ist es einfach ein «Noch nicht». Studiendaten erfassen immer nur eine Momentaufnahme (also wer im jeweiligen Jahr operiert wurde), doch die persönliche Entscheidung kann oft über Jahre hinweg reifen.

Das alte Sprichwort «Viele sind berufen, aber nur wenige auserwählt» passt besonders gut, wenn es um ästhetische Brustoperationen geht. Dieser Beitrag hat gezeigt: Eine Brustoperation ist für viele Frauen ein Thema – aber nur wenige machen den Schritt. Was genau bringt eine Frau dazu, trotz Unzufriedenheit mit der Brust zu sagen: «Ich lasse es doch lieber bleiben»? Im nächsten Beitrag beleuchten wir diese Frage noch genauer – und schauen uns die praktischen, psychologischen und kulturellen Hürden an, die aus einem Wunsch oft keine Wirklichkeit werden lassen.

Dr. med. Borut Banič

Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie (FMH)
#FMHandwerker

Fellow of The European Board of Plastic, Reconstructive and Aesthetic Surgery (FEBOPRAS)

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